6.04.2010

Zurück

Wir haben uns Anfang dieses Jahres aus persönlichen Gründen entschlossen, unseren Einsatz vorzeitig nach zwei Jahren zu beenden und nach Deutschland zurückzukehren. In den letzten Wochen haben wir in Absprache mit der Bethlehem Mission Immensee und der AGEH und in gegenseitigem Einvernehmen mit der Diözese Tarma unsere Arbeit abgeschlossen und übergeben. Wir haben Abschied genommen von den Menschen, mit denen wir die letzten beiden Jahre geteilt haben. Mit den Kollegen und Kolleginnen von der BMI durften wir auf dem Landestreffen in Tortugas einige sehr schöne Tage verbringen. Moritz und Amanda haben das neue Schuljahr, das im März begonnen hat, nicht mehr angetreten, sie werden in Deutschland nach den Osterferien wieder zur Schule, bzw. Amanda und David in den Kindergarten gehen. Auch ein ganzer Hausstand musste aufgelöst werden und wir freuen uns sehr, den neuen Kolleg/innen Alexandra und Sebastiano mit unseren Sachen eine Grundausstattung für ihren Start in Huancayo hinterlassen zu haben.

Euch allen, die uns in diesen beiden Jahren von Europa aus begleitet und unterstützt haben, möchten wir von Herzen danken. Jeder und jede einzelne waren für uns wichtig und werden es auch für unseren Schritt zurück nach Deutschland sein. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen. Wir werden zunächst nach Würzburg zurückgehen und von dort aus unsere weitere Zukunft planen.

Der vorerst letzte Rundbrief

22.01.2010

Dank

Die Jugendlichen der “Revolución Jota”, die ich begleite und berate, haben uns heute Nacht eine Plakat an den Gartenzaun gehängt. Wir haben uns sehr gefreut. Gracias, chicas y chicos.

20.01.2010

Fränkisch in Tarma

Für die Franken unter Euch. Wer findet als erster ein bekanntes fränkisches Bier?
Diese Wand hat der Besitzer der Hacienda La Florida dekoriert, ca. 5 Autominuten von Tarma entfernt.

Einziges Problem: Keines dieser Biere kann ich in Tarma kaufen.

Wer findet das fränkische?

Wer findet das fränkische?

… und dann weiter nach La Paz führt der Capac Ñan, der große Weg des Inkareichs. Die Route führt etwa 800m oberhalb unseres Haus vorbei. Dieses Teilstück sind Katharina und ich am Freitag gelaufen.
Mit dem Sammeltaxi fuhren wir in 10 Minuten in das kleine Dorf Huasqui. Von dort liefen wir an Tarma vorbei nach Tarmatambo und waren begeistert. Der Weg ist so genial angelegt, dass er wirklich einfach zu laufen ist, obwohl er 600 Höhenmeter hoch und 300 wieder herunter geht.
Der Weg zieht sich durch das gesamte Inkareich und war ausschließlich den Bediensteten des Inka vorbehalten. Für Kommunikation und den Transport von Waren für den Inka waren die Chasquis zuständig. Alle fünf Kilometer war ein Posten eingerichtet, in dem junge Männer lebten. Diese rannten die Strecke bis zum nächsten Posten und übergaben dem nächsten Chasqui ihre Nachricht mündliche oder in Form von Knotenschnüren. Sie transportierten z.B. auch Meeresfrüchte von der Küste oder tropisches Obst aus dem Urwald nach Cusco oder in die anderen Residenzen des Inka. So konnten Nachrichten und Waren eine Strecke von bis zu 200km täglich zurücklegen. Und der Inka konnte frisches Crabbencocktail mit Mangosorbet (oder so ähnlich) schlürfen.
Wir sind die Strecke etwas gemütlicher angegangen und haben auf dem Pass gekochte Kartoffeln mit Eiern genossen. Auch lecker.

Das wichtigste an der andinen Weihnacht ist die Krippe. Ab Mitte Dezember füllt sich der Markt mit allem, was zur Geburt Jesu gebraucht wird: die Figuren aus billiger chinesischer Produktion, die für den europäischen Geschmack zunächst eine Herausforderung sind (die Kinder finden den Kitsch klasse); die barock nachempfundenen Gewänder, in die das Jesulein gekleidet wird; “Zuckerpapier” in braun und grün, mit dem kunstvoll das Bergpanorama modelliert wird; mein persönlicher Favorit sind die Krippenhäuschen oder besser Höhlen, die in Handarbeit aus Gras gemacht werden und zu denen man eine Menge Accessoires bekommt, nämlich kleine Bromelien, Moos und Muscheln zum Schmücken.

Wie vor einer echten Geburt wird alles vorbereitet, auch Maria und Josef beziehen schon den Stall, umgeben von einer Arche Noah voller Tiere. Alles wartet aufs Christkind. Am Heiligabend dann wird das Kindchen feierlich herumgereicht, geküsst und besungen und in seiner Krippe inthronisiert. Dort bleibt es bis zur “bajada”, dem feierlichen Ende des “Wochenbettes”, das im Januar mit Tanz und viel Bier begangen wird.

Warten aufs Christkind. Wir haben uns für andine Figuren aus Cusco entschieden (zum Leidwesen Amandas)

Auch bei uns wurde das Jesuskind in der Weihnachtsnacht geboren

Manche Tarmenos beginnen schon im Oktober mit dem Krippenaufbau. Das Ergebnis ist beeindruckend

Luna, Luna
te vemos en campo y duna,
vas de país a país
por campos de papa y maís

Amanda schließt in diesem Jahr ihren Kindergarten ab. Das wird hier mit einem Abschlussball gefeiert. Mit Abendkleid und Doktorrobe, Zeremonie, Walzer und Kinderanimation. Erstmal war es für uns sehr befremdlich, für Sechsjährige ein so “erwachsenes” Fest zu machen. Aber es war wirklich eine sehr schöne Feier. Amanda hat es sehr genossen, in ihren schönen Kleidern mit ihren Freundinnen zu spielen und sich so zeremoniell feiern zu lassen.

Letzten Samstag hat das erste Jugendkulturfestival (I Festival de Arte Juvenil) in Tarma stattgefunden. Organisiert wurde es vom “Jugendrat der Provinz”, eine Gruppe von Jugendlichen, die ich neben meiner Arbeit in der Jugendpastoral unterstütze. Es gab Hiphop aus Huancayo und Graffiti aus Tarma, was für viele Tarmeños, auch für Jugendliche, eine interkulturelle Herauforderung darstellte. Es gab aber auch tradititonelle Tänze, Folkloremusik, Liedermacher und Rockmusik, alles von jugendlichen Bands und Gruppen.

Auf der Seite des Jugendrats gibt es einige Bilder

Hier einige Bilder vom Treffen.

Yanahuanca ist eigentlich Katharinas Arbeitsgebiet (im geografischen Sinn). Letzte Woche war ich aber für drei Tage dort. Dort besuchten wir drei Bergschulen, wo ich mit den SchülerInnen, mit den LehrerInnen und den Eltern arbeitete. Die drei Tage haben mich schwer beeindruckt. Besonders, was von den LehrerInnen gefordert wird, ist mit unserer Realität in Deutschland nicht mehr zu vergleichen. Nicht wenige von ihnen verlassen ihre Familien am Montag Morgen um 4.00 Uhr, um mit Bus, Sammeltaxi und zu Fuß zu ihren Schulen zu gelangen. Dort unterrichten und leben sie dann bis Freitag Nachmittag und kümmern sich um SchülerInnen, die auf abgelegenen Höfen leben und selbst jeden Tag stundenlang zur Schule laufen müssen.

Hier einige Eindrücke:

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